Kurze Absperrblasen: Warum der zulässige Gegendruck begrenzt ist
Kurze Absperrblasen werden häufig eingesetzt, wenn in engen Rohrabschnitten oder Hausanschlüssen wenig Platz zur Verfügung steht. Viele Anwender stellen sich dabei die Frage, welchen Gegendruck solche kompakten Rohrverschlussblasen eigentlich aufnehmen können.
Der Grund für die im Vergleich zu anderen Absperrblasen häufig niedrigen Gegendruckwerte oder warum manche Hersteller für solche kurzen Blasen überhaupt keinen Gegendruckwert angeben, liegt in der Bauform der Blase selbst. Wir klären auf.
Betriebsdruck und Gegendruck: Wo liegt der Unterschied?
Bei Absperrblasen werden zwei Druckangaben oft miteinander verwechselt:
Der Betriebsdruck ist der Druck, mit dem die Absperrblase aufgeblasen wird. Er sorgt dafür, dass sich die Blase an die Rohrwand anpresst. Der Gegendruck ist der Druck, der von der abgesperrten Seite auf die Blase wirkt, beispielsweise durch aufgestautes Wasser.
Daraus ergibt sich: Eine Absperrblase mit 2,5 Betriebsdruck darf deshalb nicht automatisch einem Gegendruck von 2,5 bar ausgesetzt werden.
Warum können kurze Absperrblasen weniger Gegendruck aufnehmen?
Nach Angaben eines Experten aus dem Kreis unserer Lieferanten können kurze Absperrblasen konstruktionsbedingt keine hohen Gegendrücke aufnehmen. Der Grund ist einfach: Je kürzer die Absperrblase ist, desto kleiner ist die Kontaktfläche zur Rohrwand. Dadurch steht weniger Reibkraft zur Verfügung, um die Blase sicher im Rohr zu halten.
Vereinfacht gesagt:
Kurze Absperrblase = geringere Kontaktfläche
Geringere Kontaktfläche = geringere Haltekraft
Geringere Haltekraft = geringerer zulässiger Gegendruck
Deshalb sind kurze Absperrblasen ideal für beengte Einbausituationen, jedoch meist nicht die erste Wahl, wenn hohe Gegendrücke abgesichert werden müssen.
Welche Faktoren beeinflussen den Gegendruck zusätzlich?
Neben der Länge der Absperrblase spielen auch weitere Faktoren eine Rolle wie: Rohrdurchmesser, Rohrmaterial, Oberflächenbeschaffenheit der Rohrwand und Einbausituation. So können beispielweise raue Betonrohre höhere Haltekräfte ermöglichen als sehr glatte Kunststoffrohre. Auch innerhalb eines zulässigen Einsatzbereichs können sich Unterschiede ergeben. Eine Absperrblase für DN 100 bis DN 150 kann bei DN 100 einen höheren Gegendruck aufnehmen als bei DN 150.
Beispiel: Extra kurze Absperrblase aus unserem Kanaltechnik-Shop
Das extra kurze Rohrdichtkissen aus unserem Online-Shop wurde speziell für kurze Rohrabschnitte entwickelt. Aufgrund der sehr kompakten Bauform hat der Hersteller ursprünglich keinen allgemeingültigen Gegendruck angegeben. Dies begründet er damit, dass die erreichbare Haltekraft bei dieser kurzen Bauform besonders stark von Rohrdurchmesser, Rohrmaterial und Oberflächenbeschaffenheit abhängt.
Wir haben dennoch nachgefragt und der Hersteller gab an, dass nach technischer Bewertung ein maximal zulässiger Gegendruck von 0,5 bar als Referenzwert angesetzt werden kann.
Fazit
Kurze Absperrblasen bieten Vorteile bei engen Einbausituationen und sehr kurzen Rohrabschnitten. Aufgrund ihrer begrenzten Kontaktfläche zur Rohrwand können sie jedoch konstruktionsbedingt keine hohen Gegendrücke aufnehmen. Bei der Auswahl eine Absperrblase sollten daher nicht nur Betriebsdruck und Nennweite berücksichtigt werden. Ebenso wichtig sind der zulässige Gegendruck, das Rohrmaterial und die jeweiligen Einsatzbedingungen.
Für Anwendungen mit höheren Gegendrücken eignen sich häufig mechanische Absperrscheiben und Rohrverschlussstopfen als Alternative zu pneumatischen Absperrblasen.
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