Safety Guide für Rohrreinigung mit Düsen
Gefahren im Umgang mit Wasserhochdruckreinigungsgeräten
Insbesondere bei stark verfestigten Ablagerungen im Rohr wird mit Hochdruckspülung gereinigt. Ein transportables Druckerzeugnisgerät oder ein Spülfahrzeug erzeugen einen Hochdruck von 10...15 MPa (100...150 bar). Über den Spülschlauch wirkt dieser Wasserdruck bis zu den mit feinen Düsen besetzten Spülkopf, an dem noch 8...10 MPa (80...100 bar) Druck herrschen. Mittels des Wasserhochdrucks werden die Ablagerungen im Rohr gelöst und abtransportiert (Guse et. al., Handwerk und Technik, Rohrleitungsbauer und Kanalbauer, 2022, S. 354).
Die Reinigung mittels Hochdruckwasserstrahltechnik auf Grund der Schneidkraft des Wasserstrahls stellt bereits eine hohe Gefährdung für die Person, welche mit Hochdruck reinigt, dar. Werden solche Arbeiten jedoch in Tanks oder Behältern ausgeführt, erhöht sich zwangsweise das Gefährdungspotential der Mitarbeiter, z.B. durch: Arbeiten in engen Räumen, Aerosolbildung mit Beeinträchtigung der Sicht, Freisetzen von Gefahrstoffen durch das Ablösen von Produktresten, Rutsch- und Absturzgefahr etc…
Zusammenfassend gilt für Hochdruckverletzungen, dass Füße, Beine und Gesicht am meisten gefährdet sind; die Auswirkungen eines außer Kontrolle geratenen HD-Schlauches lassen sich jedoch nicht vorhersagen. Weitere Verletzungen kommen nicht durch den Wasserstrahl selbst zustande, sondern z. B. durch die Wassertemperatur (Verbrennungen) oder die Krafteinwirkung des umherschlagenden Schlauchs (Prellungen). Die Nichtbeachtung von Sicherheitshinweisen und empfohlenen Sicherheitsmaßnahmen kann zu schweren Verletzungen oder sogar zum Tod führen.
Mögliche Gefahren
Rückstoß
Schneidwirkung des Strahls
unkontrolliertes Austreten von Druckflüssigkeit
Gefahrstoffe, z. B. Lösemittel
heiße Flüssigkeiten
heiße Teile
Rückprall des Strahls, z. B. durch gelöste, umherfliegende Teile des zu bearbeitenden Gegenstandes/Materials
elektrischer Strom beim Arbeiten in der Nähe elektrischer Anlagen
Abgase
Gehörschädigung durch Lärm
Technische Anforderungen
Elektrisch betriebene Hochdruckreiniger nur über besonderen Speisepunkt anschließen, z. B. Baustromverteiler mit FI-Schutzschalter.
Schlauchleitungen und Spritzeinrichtungen müssen dem zulässigen Betriebsüberdruck des Pumpensatzes entsprechen.
Schlauchleitungen müssen für die zulässige Betriebstemperatur und die verwendete Flüssigkeit geeignet sein.
Die Rückstoßkraft in der Längsachse darf 250 N nicht überschreiten.
Bei einer Rückstoßkraft über 150 N dürfen nur Spritzeinrichtungen verwendet werden, bei denen durch besondere Maßnahmen an der Einrichtung sichergestellt ist, dass die Rückstoßkraft ganz oder teilweise auf den Körper übertragen wird.
Betrieb
vor jeder Inbetriebnahme: Spritzpistole, Schlauchleitungen und Sicherheitseinrichtungen auf augenscheinliche Mängel überprüfen
von Hand geführte Spritzeinrichtungen nur von einem sicheren Standplatz aus bedienen
Hände oder andere Körperteile nicht in den Flüssigkeitsstrahl bringen
Hochdruckstrahl nicht auf Personen richten
bei Rückprall von gelösten Teilen Spritzschutz verwenden
Schlauchleitung nicht einklemmen, nicht über scharfe Kanten ziehen, nicht mit Fahrzeugen überfahren
Zug- oder Biegebeanspruchung der Schlauchleitung vermeiden
die Betätigungseinrichtung der Spritzeinrichtung nicht in Einschaltstellung festsetzen
nicht von Leitern aus arbeiten; Gerüst benutzen
bei Arbeitsunterbrechungen, Wartungs- und Reparaturarbeiten und Arbeitsende Gerät drucklos machen und gegen unbeabsichtigtes Betätigen sichern
maximalen Druck, der für die einzelnen Systemkomponenten angegeben ist, nicht überschreiten
Arbeitsbereich abgrenzen, sicherstellen, dass er nicht von Unbefugten betreten wird
Anschlüsse und Gewinde sind fest angezogen, es ist sichergestellt, dass es keine Undichtigkeiten gibt
Bei der Wartung von Teilen, oder beim Austausch der Geräte sind die Geräte ordnungsgemäß auszuschalten
Es ist sichergestellt, dass der Arbeitsbereich aufgeräumt ist (z. B. keine losen Teile, Schläuche oder Arbeitsgeräte herumliegen).
Alle Nutzer sind ordnungsgemäß mit persönlicher Schutzausrüstung (PSA) ausgestattet.
Wasser mit Hochdruck darf nur mit dazu geeigneten Schläuchen verwendet werden.
Die Betätigungsvorrichtungen von HD-Pistolen und Fußventilen dürfen auf keinen Fall (z. B.aus Bequemlichkeit) festgestellt werden!
Bei Arbeitsantritt immer sicherstellen, dass beim Loslassen der Betätigungseinrichtung der Wasserstrahl sofort stoppt!
Bei Arbeitsunterbrechung Spritzeinrichtung gegen unbeabsichtigtes Einschalten sichern.
Vor Düsenwechsel, Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten so - wie nach Beendigung der Arbeiten Gerät ausschalten, Wasserzufuhr absperren und System drucklos machen, z. B. Abzugshebel der Spritzpistole betätigen.
Sicherstellen, dass es eine Schlauchsicherung gegen Umherschlagen des Schlauchs nach Abriss gibt
Schutz gegen unbeabsichtigte Schlauchumkehr durch Verwendung eines starren Übergangsstückes zwischen HD-Schlauch und Düse ist gewährleistet
Die Flüssigkeitsstrahler werden regelmäßig geprüft und die Prüfungen werden dokumentiert. Spritzeinrichtungen werden zusammen mit der Pumpe geprüft. Die Spritzeinrichtungen sind den Pumpen fest zugeordnet.
Alle Komponenten werden nur bei zulässigem Druck betrieben und sind aufeinander abgestimmt.
Nur unterwiesene Erwachsene gehen mit Flüssigkeitsstrahlern um; Unterweisungsnachweis (nicht älter als ein Jahr) liegt vor
Die Schalteinrichtung kann nicht versehentlich ausgelöst werden und die Einstellung ist nicht verriegelbar.
Schlauchleitungen sind mit dem Montagedatum und dem zulässigen Betriebsüberdruck gekennzeichnet
Bei Rohrreinigungen wird der unbeabsichtigte Austritt der Düse aus dem Rohr sicher verhindert.
Siehe zur Rohreinigung mit Wasserhochdruck auch folgendes Video von uns mit der Düse "Wipe Catcher": Wipe Catcher - YouTube
oder "Tarantel": Tarantula 1 2 Melon - YouTube

Beim Betrieb mehrerer Spritzeinrichtungen wird eine gegenseitige Gefährdung ausgeschlossen.
Der Arbeitsbereich ist klar definiert und Warnschilder sind angebracht
Es wurden Vorkehrungen zum Schutz elektrischer Geräte getroffen
Es besteht keine Gefahr für die Arbeitnehmer oder die Ausrüstung, z. B. durch die Freisetzung von Chemikalien, heißen oder brennbaren Flüssigkeiten, Gasen, Nebel oder anderen Materialien
Arbeiter in der Nähe der Arbeiten wurden informiert
Düsen sind frei von Verstopfungen und in einem betriebsbereiten und sicheren Zustand
Der Filter am Wasserzulauf der Pumpe ist sauber
Es gibt eine kühle und saubere Wasserversorgung
Den Arbeitnehmern ist der Standort der medizinischen Notversorgung bekannt
Es wurde ein wirksames Kommunikationssystem für die Arbeit eingerichtet
Notausgänge wurden getestet
Prüfungen
regelmäßige Prüfung durch eine befähigte Person
Anforderungen an das Personal
Bedienpersonal muss mindestens 18 Jahre alt sein.
Jugendliche dürfen Hochdruckreiniger ab 16 Jahren unter Aufsicht im Rahmen der Ausbildung bedienen.
Betriebsanweisungen
Für den Betrieb von Hochdruckreinigern ist eine Betriebsanweisung zu erstellen.
Persönliche Schutzausrüstung (PSA)
Die PSA kann Folgendes umfassen:
Augenschutz: vollumfassendes Schutzvisier.
Schutz für die Füße: wasserdichte und rutschfeste Stiefel mit Stahlkappe
Schutz für die Hände: undurchlässige, feste Handschuhe.
Gehörschutz: Gehörschutz mit Schutz für mindestens 85 dB (A).
Kopfschutz: ein fester Helm, der mit Schutzvisier und dem Gehörschutz kompatibel ist.
Körperschutz: undurchlässige, mehrlagige Kleidung für den Einsatz mit Hochdruckreinigern zugelassen.
Schutz für den Schlauch: Schlauchabdeckung.
Atemschutz: Atemschutz kann erforderlich sein.
Weitere Informationen & Quellen:
Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie A.4.4 Umgang mit Hochdruckreinigern
DGUV Information 214-022 „Industriereinigung“
Bausteine der BG BAU B 238 „Hochdruckreiniger“
Guide for Managing risks for high pressure water jetting (December 2013), Safe work Australia,
Roberto Bruna, Sewage Engineering, Pipe Cleaning Nozzles
Wollen Sie mehr über die Arbeit mit Hochdruckreinigern, oder dem Umgang mit Düsen wissen? Wir beraten Sie gerne!
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